Axel Plöger - Malerei
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Dances - Zur Malerei der Bewegung

von Niklas Brenning, 2026

In Axel Plögers Malerei steht nicht das Motiv im Zentrum, sondern der Vorgang des Entstehens. Arbeiten wie dances Nr.5, 2024 verhandeln Malerei als zeitlichen, körperlich gebundenen Prozess, in dem Farbe, Linie und Spur nicht auf eine Darstellung zielen, sondern Bewegung selbst zum Bildereignis wird.

Die Kompositionen entstehen in Schichten. Farbflächen werden aufgetragen, überlagert, teilweise verdeckt und wieder freigelegt. Diese Schichtung erzeugt keinen illusionistischen Raum, sondern ein offenes Bildfeld, in dem sich unterschiedliche Zeitmomente überkreuzen. Jede Phase bleibt sichtbar und wirksam; Korrektur im klassischen Sinn findet nicht statt. Das Bild ist Ergebnis einer Abfolge von Entscheidungen, nicht ihrer Glättung.

Charakteristisch ist das Auftreten offener, weißer Formen, die an körperliche Gesten erinnern, ohne figurativ festgelegt zu sein. Sie verweisen auf Bewegung, Drehung, Balance, ohne einen konkreten Körper abzubilden. In dances erscheint der Tanz nicht als Darstellung, sondern als Spur – als Einschreibung von Bewegung in die Fläche. Der Körper ist abwesend, seine Präsenz jedoch in der malerischen Geste aufgehoben.

Die Farbigkeit – insbesondere die dominanten Gelb- und Ockertöne – wirkt dabei nicht atmosphärisch im herkömmlichen Sinn, sondern energetisch. Farbe fungiert als Träger von Spannung und Widerstand. Liniennetze und rhythmische Überlagerungen strukturieren das Bildfeld, ohne es zu ordnen. Sie erzeugen einen Takt, der an musikalische oder choreografische Abläufe erinnert, jedoch keiner festen Zählbarkeit folgt.

Kunstgeschichtlich lässt sich Plögers Arbeit in einen Dialog mit der New York School stellen, insbesondere mit Adolph Gottliebs Auffassung des Bildes als Feld von Zeichen jenseits narrativer oder symbolischer Festlegung. Anders als bei Gottlieb oder Rothko geht es bei Plöger jedoch nicht um archetypische oder transzendente Dimensionen, sondern um eine immanente, körperlich verankerte Erfahrung. Die expressive Geste ist präsent, aber nicht heroisch; der Aktionsbegriff des Action Painting wird zugunsten einer reflektierten, prozesshaften Praxis zurückgenommen.

Die Werkreihe dances steht exemplarisch für eine Malerei, die Bewegung nicht abbildet, sondern hervorbringt. Der Bildraum wird zum Resonanzfeld von Körper, Zeit und Wahrnehmung. Die Arbeiten fordern kein schnelles Lesen, sondern eine verlangsamte, körperlich mitvollziehende Betrachtung. Malerei erscheint hier nicht als abgeschlossene Form, sondern als fortdauernder Dialog zwischen Künstler, Material und Bild.